IOS-NEWSLETTER 
Forschung, Veranstaltungen, Publikationen

Seminarreihe des Arbeitsbereichs Ökonomie am IOS

Zeit: Dienstag, 13.30–15.00 Uhr
Ort: Leibniz-Institut für Ost-und Südosteuropaforschung (IOS); vorerst online via Zoom, Link wird mit den Einladungen verschickt!
Programm

Forschungslabor: „Geschichte und Sozialanthropologie Südost‐ und Osteuropas“

Zeit: Donnerstag, 14–16 Uhr (Lehrstuhl) oder 16–18 Uhr (Graduiertenschule und Leibniz-WissenschaftsCampus)
Ort: WiOS, Landshuter Str. 4 (Raum 017)
Programm

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Leibniz

Teilhabe und Exklusion in „Neualbanien“ (1941–1944) (Buchprojekt)

Projektkonzeption und -bearbeitung: Dr. Konrad Clewing

„Neualbanien“ waren in zeitgenössischer Diktion diejenigen Gebiete im südlichen Montenegro, in Kosovo und in Westmakedonien, die nach der Zerschlagung Jugoslawiens im Jahr 1941 an Albanien angeschlossen wurden und unter dessen Herrschaft bis Herbst 1944 verblieben. Albanien wiederum war mit der italienischen Besetzung von 1939 von Italien von der internationalen Bühne genommen, aber nicht förmlich annektiert worden. 1943 lösten die Deutschen für ein Jahr die Italiener als Okkupationsmacht ab.

Wieweit albanische Institutionen nach innen weiterhin als Teile eines eigenständigen staatlichen Akteurs fungierten, ist wenig erforscht, stellt für das Projekt einen wichtigen Hintergrund dar. Für Albanien wie für Jugoslawien dominiert zum Zweiten Weltkrieg in der bisherigen Literatur immer noch das Analyseraster von „Kollaboration und Widerstand“. Das Erklärungspotential dieses Musters ist für die hier verfolgte Fragestellung nach den staatlichen Wirkungen in Sachen sozialer und ethnopolitischer Inklusion oder Exklusion aber ganz unzureichend. Das gleiche gilt für das zweite verbreitete historiographische Muster, in dem das gesellschaftliche Geschehen der Kriegsjahre in und rund um Kosovo auf bewaffnete ideologische und ethnische Konflikte reduziert wird. Demgegenüber fragt das Projekt nach dem (begrenzten) Potential der neuen Staatlichkeit (und in weit geringerem Maße von konkurrierenden staatlichen Strukturen der Partisanen) zur Steuerung der gesellschaftlichen Entwicklung in den vom Kriegsgeschehen verhältnismäßig wenig betroffenen Gebieten. In dieser Perspektive treten neben der teilweisen Inklusion und Teilhabe der neu dominanten ethnischen Gruppe (der Albaner) die Faktoren in den Vordergrund, die dem staatlichen Zugriff auf die Lebenswelten auch dieser Gruppe Grenzen setzten. Angestrebt wird parallel dazu die Analyse derjenigen gesellschaftlichen Ressourcen und Praktiken, die es möglich machten, dass vor Ort zehntausende altansässige Serben (als Angehörige der momentan subdominanten ethnischen Gruppe) zwar politisch und nationalitätenrechtlich exkludiert und diskriminiert wurden, jedoch am Ort verbleiben und auf das alltägliche Leben und die konkrete Aushandlung von Herrschaftsverhältnissen einigen Einfluss nehmen konnten.

 

Vorläufige Projektergebnisse:

Vorträge:

25.06.2011: Forschung(sdefizite) über Staat und Gesellschaft in Albanien und ‘Neualbanien’ 1941–1944. Internationales ‘Symposium 50 Jahre Albanologie an der LMU München, Wessobrunn 24.06.–26.06.2011

27.01.2012: „Staatsbürgerliche Teilhabe, Inklusion und Exklusion im annektierten ‚Neualbanien‘, 1941–1944“. Tagung: „Staatsbürgerschaft und Teilhabe: Bürgerliche, politische und soziale Rechte in Osteuropa“, veranstaltet vom WiOS, Regensburg 26.1.–28.1.2012